Gegendarsteller

Hallo

Man nennt mich Fidel, Ich mache Interaction & Web Design. Hier geht es aber auch um Anderes.
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Junkie? 26. Mai 2011

Es ist immer gut, mit dem Anfang zu beginnen. Auch beim Starten dieses Blogs stellt sich die Frage nach dem richtigen Anfang.
Am Anfang war der Kaffee. Es fällt mir schwer, an etwas anderes zu glauben. Zu einer bestimmten Uhrzeit – auch Morgenstunde genannt – ist es schlichtweg unmöglich der Bibel zu glauben und das Wort vor dem Kaffee anzusiedeln. So zumindest ist meine Sichtweise, da ich mir in meiner Koffeinabhängigkeit schwertue Kaffee nicht frei nach der Devise: „Coffee makes the world go round“ als Dreh- und Angelpunkt der Welt zu betrachten.
Der Kaffee war also vor dem Wort, die Bibel irrt sich und Glaube ist abhängig von Uhrzeiten.
Zu diesem Zeitpunkt, um 14:09 Uhr, da schon so viele Dinge auf blasphemische Art und Weise klar (?) gestellt wurden, empfiehlt es sich vielleicht, den nächsten Kaffee einzunehmen um in die Lage versetzt zu werden diesen Blog noch halbwegs überzeugend gestalten zu können. Die Vorstellung, dass nicht nur jeder Tag, sondern auch das Leben auf Erden mit Kaffee begann, ja dass dies sogar schon am Anfang der Schöpfungsgeschichte festgehalten ist, gefällt mir, da eine lange Tradition in gewisser Weise meinen übermäßigen Kaffeekonsum rechtfertigen würde. Andererseits deutet allein diese Idee auch auf schwere Nebenwirkungen des Koffeins hin. Anschließend sollte ich mich offenbar ernsthaft mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen.
Wie wir alle wissen boomt die Aufputschmittel- oder auch Drogenindustrie. Das tut sie besonders in Zeiten des Abiturs, wie ich kürzlich am eigenen Leib erfahren konnte. Doch wenn auch der Konsum von anderen Aufputschmitteln nach Ende der Lernzeit eine starken Rückgang erlebt, verebbt der Konsum von Koffein auch nach erfolgreicher Vollendung des Abiturs niemals auch nur ansatzweise. Man kann ihm förmlich nicht entkommen, da in unserer von Konsum geprägter Welt Koffein nicht mehr nur ganz traditionell und herkömmlich in Kaffeebohnen enthalten ist, sondern es ihn auch in Schokolade, Tee, oder in Form von Tabletten sowie in Energy Drinks wie Coca Cola gibt.
Und jetzt, wo die kleinen schwarzen oder auch dunkelbraunen Bohnen immer mehr als Drogen angesehen werden und sich offenbar bereits der Begriff „Coffeinismus“ geprägt hat, muss ich mich wohl oder übel der Frage stellen: bin ich drogenabhängig?
So oder so komme ich jedenfalls nicht umhin, mich mit der Suche nach einem Schuldigen zu befassen.  Wurde ich von unserem angeblich so gelungenen Bildungssystem in diese Lage gebracht? Handelt es sich überhaupt um eine besorgniserregende Lage? Oder ist es vielleicht vielmehr an der Zeit, Kaffee nach all den Jahrhunderten des Zweifelns als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft in unser Leben zu lassen und nicht in ihm unsere Fehler zu suchen? Integration statt Diskreditierung -  ist Kaffee die Rettung oder das Verhängnis? Freund oder Feind ist die Frage, um die meine Gedanken kreisen. Tausend Fragen schwirren durch meinen koffeinaufgeputschten Kopf und bringen nicht unbedingt mehr Klarheit- in keinster Weise. So viele Fragen und keine Antworten!
Weitere Stunden vergehen mit ausgiebiger Recherche zu Symptomen und Selbstdiagnose im Internet, begleitet von wachsendem Schrecken und gefolgt von noch ausgiebigeren Recherchen zur professionellen Therapie. Ist wohl eine stationäre der ambulanten Behandlung vorzuziehen?
Die Stunden fließen nur so dahin. 17:00 Uhr, Zeit für den nächsten Kaffee.
Schlechten Gewissens schlürfe ich meinen Kaffee, während ich mich an den Gedanken zu gewöhnen versuche die nächsten Monate in einer Klinik zu verbringen.
Wirft man einen Blick auf die existierenden ernsthaften therapeutischen Möglichkeiten von anderen Stimulanzien einschließlich Koffein, so trifft man neben der Möglichkeit der medikamentösen Behandlung, beispielsweise Amitriptylin oral einzunehmen, auf Musik- und Bewegungstherapien, ganz zu schweigen von Angeboten, die sich von Psychotherapie über Selbsthilfegruppen bis hin zur Soziotherapie erstrecken.
Als nächstes informiere ich mich über die zu erwartenden Entzugssymptome, und werde prompt aus dem Konzept gebracht. Ich muss meinen ganzen Plan, unter anderem meine Packliste für die Klinik, verwerfen, da die Entzugssymptome 12 bis 24 Stunden nach dem letzten Koffeinkonsum auftreten, an den ersten beiden Tagen am stärksten zu erwarten sind und bereits nach zwei bis neun Tagen abklingen! Ich bin empört. Vom Coffeinismus hatte ich eigentlich mehr erwartet. Besonders nach dem stundenlangen und eingehendem Konsum von Informationen darüber. Nun weiß ich, dass die die „letale Dosis“ beim gesunden Menschen ungefähr 10 g beträgt, und Vergiftungen je nach Gewöhnung ab 1 g auftreten -aber warum zur Hölle ackert man sich stundenlang durch Therapiemöglichkeiten, Symptome und Spätfolgen des Coffeinismus, um dann darüber informiert zu werden, dass es möglicherweise so etwas wie eine Koffeinsucht gar nicht gibt?
Coffeinismus, ein alarmierendes Wort. Es tritt anstelle dessen, was ursprünglich umgangssprachlich als Kaffeesucht bekannt war. Bezeichnen soll es die akute Vergiftung mit Koffein sowie die chronische Abhängigkeit von diesem. Aber obwohl es nun einen solchen Begriff gibt, herrscht immer noch Unklarheit über den Begriff der Sucht, welcher bekanntlich Definitionssache ist. So schätzt die Weltgesundheitsorganisation Koffein NICHT als süchtig machende Droge ein. Aber wenn es sich nicht um eine solche handelt, wieso gibt es dann kontrovers dazu so viele therapeutische Angebote sowie Warnungen? Bin ich nun ein Junkie oder bin ich keiner? Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.

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