Gegendarsteller

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Man nennt mich Fidel, Ich mache Interaction & Web Design. Hier geht es aber auch um Anderes.
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Mitnehmen 03. Juni 2011

Das Mitnehmen ist eine recht lästige Angelegenheit. Ob man nun in einem Restaurant seine Essen zum Mitnehmen bestellt, um 15 Minuten später kalt zu essen was man auch warm hätte haben können, oder ob es das schleppen schwerer Koffer, deren Inhalt man ohnehin nur zu Hälfte gebrauchen kann, spielt hier überhaupt keine Rolle.
Ich verstehe mich als Gegner des Mitnehmens, welches sich, wie mir scheint, unverständlicher Weise ein recht erfolgreiches Prinzip in der heutigen Gesellschaft geworden ist. Überhaupt lassen sich in unserer Gesellschaft einige, sich durchgesetzt habende, Phänomene aufdecken, die, speziell im Rückblick betrachtet, zu nichts Geringerem als einer weiteren Verschlechterung der Gesamtsituation geführt haben.
Das Essen zum mitnehmen, welches fälschlicherweise meist nur mit asiatisch ausgerichteten Restaurants assoziiert wird, wo doch genauso diverse Speisekarten nicht-asiatischer Küchen mit dem Satz “Alle Speisen und Getränke auch zum Mitnehmen erhältlich” schließen, birgt überhaupt keine Vorteile. Gehe ich nun zum Mitnahmeessenhändler meines Vertrauens, wahrscheinlich aus Faulheit selber etwas zu kochen, welche ich mir natürlich selbst nicht eingestehe, daher wohl eher mit der Begründung es sei schon zu spät, um jetzt noch mit Kochen anzufangen, muss ich zunächst einen Fußweg von ungefähr 10 Minuten zurücklegen. Dort angekommen werfe ich einen Blick in die Karte, um festzustellen, dass ich auf keines der angepriesenen Gerichte wirklich Lust habe und entscheide mich anschließend für etwas, was ich glaube hier schon mal gegessen zu haben. Kurz kommt mir der Gedanke auf, ich könne doch auch hier Essen, verwerfe ihn jedoch gleich wieder, schließlich wäre es etwas trostlos, alleine an einem Tisch für vier Personen, von gelegentlich vorbeikommenden und zum mitnehmen bestellenden Leuten, misstrauisch beäugt zu werden.
Etwas später sitze ich zu Hause, noch trostloser, das mittelmäßige kalte Essen aus der Aluschale in meinen Mund schaufelnd und frage mich, wieso ich nicht einfach einige der stets vorhandenen Nudeln, mit etwas Gemüse, was ohnehin bald verbraucht werden müsste, kombiniert hatte.
Wie bereits angesprochen bezieht sich das Ganze nicht nur auf das Mitnehmen, es ließen sich wohl zu jeder Idee mehr Nach- als Vorteile zusammentragen. Dafür verantwortlich ist wohl meistens, die fehlende Voraussicht, das fehlende empfinden für mögliche Folgen, beziehungsweise die vorsätzliche Selbsttäuschung, die uns über gravierende Folgen der eigenen Idee hinwegsehen lassen. Eine Gestalt, halb Affe, halb Mensch, kommt eines Tages daher und kommt auf die Idee, das Feuer doch recht praktisch zu nutzen sei, und etwas später stehen Häuser, Siedlungen und ganze Städte in Flammen. Eine weitere Gestalt kommt etwas Später auf die Idee Kerne zu Spalten, spaltet aber Städte, Staaten und Gesellschaften.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass alles was der Mensch schafft schlecht ist, daraus zu schließen, der Mensch sei schlecht, ist jedoch falsch.
Wir sind wohl alle Hamlets, unmotivierte Versager. Unmotiviert, wenn wir doch, ganz im Gegensatz zu anderen Tieren, so viel erschaffen? Mag sich der ein oder andere Fragen. Und für diejenigen, die das System noch nicht durchschaut haben will ich es hier nochmal erklären. Unmotiviert sein, faul sein, ist nicht, wie manch einer glauben mag, das bloße herumliegen und nichts tun, denn damit wäre doch diversen Tieren viel unrecht getan. Die Faulheit von der ich in diesem Zusammenhang spreche, geht bedauerlicherweise mit einer ungeheuren Lernfähigkeit einher. Diese Lernfähigkeit macht den Menschen glauben, das bloße herumliegen bewirke nichts, schließlich kommt er um lästige Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen nicht herum (und hier muss man dem Menschen eingestehen, dass gelegentliches Essen zum Mitnehmen auch deutlich angenehmer als aufwendiges Jagen ist). So wollte sich der Mensch das Jagen vereinfachen, verwendete also von nun an auch die Zeit in der er zuvor in der Sonne lag, um neue Methoden in Jagd- und Waffentechnik zu entwickeln. Die Zeit, die er sich somit einsparte wendete er ebenso für die Tätigkeit, die er nachdenken nannte, auf.
Ein weiteres Beispiel, mal ganz Abseits der Nahrungsaufnahme, ist die Erfindung elektrischen Lichts, ach wie geplagt der Mensch wohl war, als er wegen einbrechender Dunkelheit, seine Arbeit an Arbeitsreduzierungsmethoden fast vollständig einstellen musste.
Bei Menschen ist daher allgemein von einem faulheitsbedingten Tatendrang zu sprechen. Klingt zwar komisch, ist aber so! Man muss sich mal vor Augen führen, was man alles macht, was man für Prozesse in Gang setzt, nur um etwas nicht zu machen (wobei man meistens eh nicht umher kommt es dennoch zu tun).
Wir handeln in Selbsttäuschung, wenn wir eigentlich wissen, was wir machen ist Quatsch. Eigentlich wissen wir, dass nur eine einzige Lüge unsere Gesellschaft zusammenhält, das wir diese Lüge selbst sind und das wir nunmal alles mitnehmen, was wir nur kriegen können.
Auch ich weiß, dass ich nur irgendeinen Blödsinn zusammengeschrieben habe, um mich weitaus produktiveren Tätigkeiten zu entziehen, die ich dann wohl morgen machen werde, falls mir nichts einfallen sollte, was ich sonst noch so machen könnte.

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