Gegendarsteller

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Man nennt mich Fidel, Ich mache Interaction & Web Design. Hier geht es aber auch um Anderes.
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Werden wir das Triebhafte eigentlich nie los? 14. Juni 2011

Bewege ich mich durch die Stadt, sitze ich in Cafés oder in Zügen, es ist eigentlich immer das Gleiche. Überall laufen die Menschen mit ihren Mobiltelefonen herum.
Irgendwie wirkt das absurd, ich habe vor etwa drei Wochen mein etwas mehr als zwei Jahre altes Nokia geschrottet, beziehungsweise ich habe es kurz vorm Verlasen des Hauses in meine Hosentasche gesteckt und als ich 20 Minuten später einen Blick auf dieses werfen wollte war das Display tot, bei einem Touchscreen ist das besonders unpraktisch. Natürlich habe ich mir überlegt ein neues zu kaufen, aber ich bin noch nicht dazu gekommen. Erreichbar bin ich ja über Mail, Facebook und Twitter, wenn ich irgendwo in ein Wi-Fi Netzwerk reinkomme. Wer unbedingt mit mir sprechen will kann mich ja wenn ich zu Hause bin auf dem Festnetz anrufen, notfalls auch Skype. Oder man kommt einfach bei mir vorbei, sollte ich nicht zu Hause sein, dann doch meist in einem Café mit Wi-Fi in der Nähe.
Wenn ich nun also in einem dieser Cafés sitze, haben dort annähernd alle ganzzeitlich ihr Mobiltelefon in der Hand, da frage ich mich was die überhaupt machen und ob ich eigentlich genauso so verrückt war.
Ich bin zwar kein Detektiv, trotzdem konnte ich relativ schnell feststellen, dass diese Mobiltelefone heutzutage wohl nicht mehr zum telefonieren gebraucht werden. Ich glaube früher war das anders. Was sich auch verändert haben muss ist die Existenz von Nokia. Hatte nicht früher jeder so eines? Wahrscheinlich habe ich das letzte Nokia zerstört. Überhaupt scheinen jegliche klassischen Handys, also diejenigen mit Nummertasten und einem kleinen Display, verschluckt worden zu sein. Von diesen so smarten Telefonen, die man so normalerweise erblickt, gibt es ja auch nur drei unterschiedliche.
Nutzer von Blackberrys scheinen mir irgendwie noch die normalsten zu sein. Im Café nehmen sie Platz, nehmen ihr Gerät aus der Tasche, machen dann kurz irgendwas mit diesem und legen es anschließend auf den Tisch. Im Laufe ihres Aufenthalts widmen sie sich noch vielleicht zwei bis dreimal ihrem Telefon zu und tippen etwas auf diesem rum, um es anscließend wieder an exakt die gleiche Stelle zu legen von der man es genommen hat, beziehungsweise um es am Ende wieder in ihre Tasche gleiten zu lassen.
Blackberry-Nutzer sind allgemein eher Geschäftsleute und setzen ihr Smartphone, so scheint es zumindest, recht funktional ein.
Viel schlimmer sind Besitzer eines Touchscreen-Handys. Für Androids muss man sich anscheinend schämen, zwar werden diese vom jeweiligen Nutzer auch gerne und ausgibig genutzt, wirklich öffentlich zeigen möchte man sich jedoch nicht und so landet das Telefon auch bei nur kurzer Nichtnutzung sofort wieder in der Tasche. Speziell wenn sich ein iPhone nähert verkricht sich der Androidnutzer sofort. Ich spreche hier nicht von iPhone Nutzern, denn irgendwie scheint der Nutzer zumindest unabhängig vom iPhone überhaupt nicht mehr zu existieren, die Frage, ob nun der Mensch das iPhone benutzt oder andersherum müsste da wohl zunächst noch geklärt werden. Schließlich befindet sich ein iPhone fast nie in irgendeiner Tasche (und überhauptnie für mehr als 10 Sekunden). Wahrscheinlich ist eine gewisse Grundangst vor solchen Menschen durchaus berechtigt, zumindest möchte ich in meiner Nähe keinen haben, der gerade sein iPhone nicht findet.
Doch was machen diese Menschen nun, wenn sie ihr Handy ständig in ihrer Hand halten? Es muss zumindest etwas sein, dass nur auf dem iPhone geht, oder nur auf diesem Spaß macht. Ist es das Spielen, über 60.000 Apps zählen schließlich zur erfolgreichsten Kategorie des Appstores. Aber sollten wirklich alle Leute ständig spielen? Zum Glück nicht, wirklich besser ist die Wirklichkeit, die meine Beobachtungen herausgestellt haben nicht. Letztendlich ist es nur Angeben, nur Repräsentationsmittel der Modernen Gesellschaft. Oder wozu sollte sich das Entriegeln des iPhones und das Hin- und Herwechseln zwischen den mit unzähligen Apps gespickten Seiten als dienlich erweisen?
Das Mobiltelefon ersetzt den Anzug, der ja heutzutage als formales Kleidungsstück zu repräsentativen Zwecken in eigenen Firmen (Apple) als überholt gilt.
Wenn man in einer Gruppe von Menschen unterwegs ist, und alle einen Anzug von Hugo Boss tragen, während man sich den eigenen bei H&M geholt hat, wird man, obwohl die Anzüge prinipiell den gleichen Zweck erfüllen, sich schämen, sich zurückziehen in der Hoffnung es würde keinem Auffallen. Doch gerade duch diese Zurückhaltung wird man noch auffälliger. Für den Betroffenen ist dieser Umstand höchst unangenehm, die Hugo Boss Träger stehen so jedoch durch die Abgrenzung im noch besseren Licht.
Ein ähnlicher Effekt wird von iPhone-Besitzern ganz bewusst erzielt, in dem sie durch ständiges präsentieren ihres iPhones denjenigen demütigen, der entweder ein anderes Telefon mit sich führt oder, und das ist fast noch schlimmer, sein Telefon versteckt hält.
Irgendwie klappt das immerwieder. Das zeigen auch Statistiken von okcupid “Finally, statistical proof that iPhone users aren’t just getting fucked by Apple”. So haben iPhone-Nutzer verglichen mit Android Nutzern 1,6 mal so viele Sexualpartner, iPhone-Nutzerinnen sogar 2 mal so viele.
Das ist der Grund sich ein iPhone zu kaufen, der Mensch wird das Triebhafte wohl nie los.

noname 28. Juni 2011 07:45

“Ein ähnlicher Effekt wird von iPhone-Besitzern ganz bewusst erzielt, in dem sie durch ständiges präsentieren ihres iPhones denjenigen demütigen, der entweder ein anderes Telefon mit sich führt oder, und das ist fast noch schlimmer, sein Telefon versteckt hält.” -Meinst Du das ernst? Also ich habe ein altes billiges Handy und von mir aus können um mich herum alle mit ihrem iPhone wedeln, wie sie wollen! Ein Statussymbol wird erst zum Statussymbol, wenn alle anderen denken, dass es eins ist. Ich habe genug Selbstvertrauen, um mich nicht von materiellen Dingen beeinflussen zu lassen. Im Gegenteil: es ist doch ein Armutszeugnis, wenn sich andere Menschen über solche Dinge definieren und damit ihr Ego aufpolieren müssen. Nach dem Motto: Ich bin zwar nicht klug, aber seht mal, wie schön mein Handy ist. So jemand hat Minderwertigkeitskomplexe und verdient mein Mitleid.

agonist http://regularnoise.wordpress.com 28. Juni 2011 13:35

Hi,
“Ein Statussymbol wird erst zum Statussymbol, wenn alle anderen denken, dass es eins ist” – interessante These, meinst du mit alle wirklich alle? Ich denke ein Porsche ist ein Statussymbol, dabei gibt es genauso Leute die ihren alten Opel so lieb gewonnen haben, dass sie ihn gegen keinen anderen Wagen eintauschen würden. Bei Kleidung ist das ähnlich, ich kaufe keine Kleidung auf der riesengroß die Marke steht (es sei denn das Kleidungsstück sollte aus irgendwelchen anderen Gründen von mir als schön empfunden werden). Statussymbole sind ohnehin, ähnlich dem Gruppenzwang, sehr vom sozialen Umfeld abhängig. So wie ein Manager nicht in Adidas-Kleidung herumläuft, so wird der Vorstadtjugendliche kaum einen Anzug tragen. Außer Frage steht ja wohl, dass das iPhone das bekannteste Mobiltelefon auf dem aktuellen Markt ist, viele Nutzer eines Android-Gerätes wissen sicherlich nicht mal, dass sie ein Handy Haben, auf dem Android läuft. Es gibt halt Touchscreenhandys und dann gibt es da noch das iPhone. Auch die Berichterstattung um neue iPhones oder neue iOS Versionen ist deutlich intensiver, als die bei anderen Mobiltelefonen.
Natürlich kann man das als ein Armutszeugnis sehen, aber das ist ja allgemein bei Statussymbolen so, ich sehe keinen Unterschied zwischen einer Uhr und einem Handy in diesem Punkt. Einzig dass eine Omega gegenüber einer Swatch wohl von den Funktionen deutlich weniger bietet als ein iPhone gegenüber einem Nokia.

Achso und die Frage: “Meinst Du das ernst?”, hmmm, ich weiß nicht so recht, ist wohl die falsche Frage für diesen Blog.

noname 28. Juni 2011 20:38

Wollte mit meinem Kommentar einfach mal klarstellen, dass es auch noch Menschen gibt, denen Statussymbole nichts bedeuten.

Übrigens könntest Du mit Deiner Vermutung recht haben, dass wir triebgesteuert sind. Jeder hat vielleicht ein anderes Antriebsmittel, aber ohne Trieb – wonach auch immer – gäbe es keinen Fortschritt und keine Weiterentwicklung. Vielleicht ist das ja sogar der Sinn des Lebens. Maslow erklärte ja auch mit seiner Bedürfnispyramide, dass man, ist erst mal ein Bedürfnis erfüllt, gleich den nächsten Wunsch hat.

agonist http://regularnoise.wordpress.com 29. Juni 2011 10:25

Dass es Leute gibt, denen Statussymbole nichts bedeuten ist klar, leider gibt es davon zu wenige, wobei auch ich es als sehr schwer empfinde diesen gänzlich zu entfliehen.

Triebe sind wohl kaum komplett zu unterdrücken, ich denke genauso das Triebe nicht schlecht sind, jemand der ausschließlich durch sein Über-Ich, wie Freud es nennt, bestimmt würde wäre wohl kaum Überlebensfähig.
Brave New World und 1984 zeigen ja ganz gut, wie traurig eine so “perfekt” funktionierende Utopie wäre.

Protagonist 28. August 2011 16:17

Hahaha

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